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Das
Schachdorf Ströbeck und seine wechselvolle Geschichte
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Hier finden Sie Interessantes und Wissenswertes
aus der Historie des Ortes:
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Aus der Dorfchronik
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Eine zweite noch vorhandene Urkunde berichtet über eine Schenkung des Fleckens
"Ströbcke" an das Stift Quedlinburg von Heinrich II.
In seiner wechselvollen Geschichte war Ströbeck bis zum Jahre 1268 ein begehrtes Tauschobjekt zwischen den Bischöfen von Halberstadt, den Grafen von Regenstein und den Grafen von
Hartesrode. 1268 kam Ströbeck dann endgültig in den Besitz der Domprobstei Halberstadt.
Ströbeck führt in seinem Wappen das Schachbrett . An vielen Häusern und sogar in der Wetterfahne des Kirchturmes ist das Symbol zu sehen. Die Wetterfahne eines alten Wartturmes, heute unter dem Namen "Schachturm" bekannt, zeigt ausser dem Schachbrett die Jahreszahl 1011.
Die Überlieferung berichtet, dass im Jahre 1011 dem Bischof Arnulf II. von Halberstadt von Heinrich II. ein Wendenherzog namens Gunzelin als Gefangener überwiesen wurde. Der Bischof ließ ihn in Ströbeck in den heute noch vorhandenen Wartturm sperren und setzte die Ströbecker Bauern zu seinen Wächtern ein.
Die Langeweile quälte nicht nur den vornehmen Gefangenen, sondern auch seine Bewacher. Gunzelin erbat sich von den Wächtern ein scharfes Messer und Holz, schnitzte 32 Schachfiguren und malte ein Schachbrett auf den Tisch. Schliesslich lehrte er seine Wächter das Spiel, das von Generation zu Generation weitergetragen
wurde. Man spielte in Familien, im Dorfgasthaus und in den Spinnstuben. Dies geschah zu jener Zeit, als das Schachspiel bestenfalls an Fürstenhöfen und in Klöstern bekannt war. Trotz der fast vollständigen Verwüstung des Dorfes im Dreißigjährigen Krieg ist diese Tradition bis heute erhalten geblieben.
Es wurde Brauch und Tradition, dass die Männer von Ströbeck jedesmal den durchreisenden neuen Landesherren auf dem Dorfanger zu einer Partie Schach auffordern durften.
Im 17. Jahrhundert kamen kurbrandenburgische Beamte nach Ströbeck, die mit den Bauern um die Staatssteuern spielen
mussten. Die Bauern blieben regelmäßig Sieger, und die Abgaben blieben ihnen erlassen.
Den großen Kurfürsten wunderte es, daß seine Beamten jedesmal gegen die Bauern ihr Spiel verloren geben mussten. Am 13. Mai 1651 kehrte auch er in Ströbeck ein und setzte sich, wie in der Chronik berichtet wird, nach alter Sitte auf freiem Feld mit den Bauern vor das Schachbrett. Der Ehrgeiz der Ströbecker wurde geweckt und sie liessen sich selbst von ihrem Kurfürsten auf dem Schachbrett nicht in die Enge treiben. Die Partie wurde zu ihren Gunsten entschieden. Als Anerkennung schenkte der Kurfürst den Ströbeckern ein kostbares Schachbrett, das heute im Schachmuseum zu sehen ist. Das in der Mitte des Rahmens eingelassene Wappen Kurbrandenburgs trägt folgende Inschrift:
"Daß Sereniß, Curfürstliche Durchlaucht zu Brandenburg und Fürst zu Halberstadt, Herr Friedrich Wilhelm, dieses Schach-und Curierspiel am 13.Mai 1651 dem Flecken Ströbke aus sondern Gnaden verehret und bei ihrer alten Gerechtigkeit zu schützen gnädigst zugesagt, solches ist zum ewigen Gedächtnis hierauf verzeichnet."
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Die Ströbecker
Trachten
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Die Trachten der Frauen
Den Körper bedeckte ein langes, zweiteiliges Hemd aus selbstgesponnener
Leinwand. Darüber wurden zwei rote Unterröcke und als Überrock ein steifer
weiter und fußfreier, dunkelblauer Faltenrock getragen, der mit hellblauen
fischgrätenartigen Längsstreifen versehen war. Den unteren Rand säumte ein hellblauer
Trump aus Kattun, der verschieden breit war und manchmal bis zu den
Knien ging. Den Oberkörper umschloß ein kurzes, festanliegendes, bis zum Hals
hochschließendes dunkles Wams mit Keulenärmeln oder ein dunkelfarbiges Mieter.
Die Schultern bedeckte ein kleines buntes Kopftuch. Die Fußbekleidung
bestand aus hellblauen Wollstrümpfen mit Hausschuhen oder Lederpantoffeln.
Die Trachten der Männer
Die Alltagstrachten der Männer
bestand aus einem weiten blauen Kittel, der oben mit einem "Kruulloch"
versehen war und bis über die Hüften reichte.
Die Schulterstücke waren mit weißen, schwarzen oder blauen Streifen in verschiedenen
Mustern geziert. Dazu wurden dunkle Hosen aus Cord oder Manchester getragen
die eng ansaßen, bis über die Waden reichten und manchmal mit einem Steg versehen
waren. Man trug auch enge, helle Steghosen aus Bockleder, die für den
Sonntagsstaat nicht mehr gut genug waren. Bis um die Mitte des vorigen Jahrhunderts
trug man als Fußbekleidung lange, teils über die Knie reichende Krempelstiefel
gegen Ende des Jahrhunderts trug man oft Langschäfter.
Die Strümpfe waren aus blauer Wolle selbst gestrickt. Den Kopf bedeckte eine
dunkelblaue niedrige Deckelmütze aus Tuch mit einem schwarzen Lederschirm, ein breitkrempiger Hut
zuweilen auch eine Pelzmütze oder eine Zipfelmütze.
Unter dem Kittel wurden ein Brusttuch und ein grobes Leinenhemd aus selbstgesponnenem Leinen
getragen. Über das Brusttuch legte man ein dunkles Halstuch, über den Kittel
außerdem noch ein rotes Dreieckstuch.
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Vom
Ströbecker Hochzeitsrecht zum Lebendschach
Im 17. Jahrhundert hatte sich die Sitte herausgebildet, daß sich der Bräutigam seine Braut erspielen mußte
das hieß, der Bräutigam mußte gegen einen ausgewählten Spieler - meist den
Dorfschulzen - antreten. Die Gäste durften während des Wettkampfes kein Wort zum Spiel
sagen, nur wenn sie glaubten, ihr Spieler mache einen Fehler, durften sie
ihm zurufen: "Vadder mit Rat!"
Das bedeutete: Gevatter, spiele mit Bedacht, mit Verstand!
Verlor der Bräutigam die Schachpartie, so mußte er ein bestimmtes
Strafgeld in die Gemeindekasse zahlen.
Der Beginn des Schachspiels mit lebenden Figuren wird auf das Jahr
1688 datiert. Zu dieser Zeit hatte man von der Vorliebe des
Herzoges Ludwig Rudolf von Braunschweig für Karnevalsfreuden mit Bauernhochzeiten
gehört. Die Ströbecker sandten deshalb Abgeordnete auf das Blankenburger Schloß
den Sommersitz des Herzogs, mit dem Antrag, man möge doch das Ströbecker
Hochzeitsrecht mit dem damit verbundenen Schachspiel nicht außer
acht lassen.
Herzog und Herzogin ließen den alten Dorfschulzen Söllig und seinen
achtjährigen Sohn Valentin zu sich kommen und luden sie zum Schachspiel ein.
Der Junge verfolgte aufmerksam das Spiel der beiden Männer, und als sein Vater einen
verkehrten Zug machen wollte, klopfte ihm der Knabe auf die Schulter
und rief das in Ströbeck gebräuchliche Wort: "Vadder mit
Rat!" (Gevatter mit Bedacht!)
zu. Der Dorfschulze besann sich, machte einen besseren Zug und gewann die Partie.
Danach setzte der Bauernjunge dem Herzog mit seltenem Scharfsinn
auseinander, welche nachteiligen Folgen der Zug des Vaters gehabt hätte.
Der Knabe gewann dadurch die Gunst des Herzogs in einem solchen Maße
daß dieser ihn bei sich behielt und studieren ließ.
Valentin Söllig wurde nach dem Tode des Herzogs 1738 zunächst Hofdiakonus
und 1749 Prediger in Hasselfelde. |
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Aus der
Geschichte des Ströbecker Bahnhofes
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Im Jahre 1842 wurde die Konzession für den Bau der Magdeburg - Halberstädter
Eisenbahn - Gesellschaft erteilt, die sich zu einer der bedeutendsten ihrer Zeit
entwickelte. Bereits Mitte der sechziger Jahre des letzten Jahrhunderts
wurden bei der Eisenbahn - Gesellschaft folgende Bahnstrecken übergeben:
- Von Magdeburg über Halberstadt nach Thale
- Magdeburg bis Wittenberge
- Köhten - Bernburg - Wegeleben
- Güsten - Staßfurt
- Frose bis Ballenstedt
- Die Strecke Halberstadt bis Vienenburg wurde im Jahr 1864 eröffnet
Die Berlin - Halberstädter - Eisenbahngesellschaft plante 1867
auch eine Fortführung der Bahnstrecke von Halberstadt - Vienenburg
bis nach Seesen am Harz, wo ein Anschluß an die damalige Braunschweigische
Staatsbahn vorgesehen war.
Die privaten Eisenbahn - Aktiengesellschaften waren recht lukrativ und wollten
gern selbständig bleiben. Jedoch gelang es Bismark im damaligen Preußen
trotz heftiger Widerstände, bis zum Jahre 1887 die bedeutendsten
Privateisenbahnen durch Ankauf in den Staatsbesitz zu bringen.
So wurde auch die Magdeburg - Halberstädter Eisenbahn - Gesellschaft von der
Staatsbahn übernommen.
Im Jahr 1872 wurde die Eisenbahnlinie Halberstadt - Heudeber - Wernigerode
eröffnet.
Im Jahr 1900, am 01. Oktober, wurde die Haltestelle Ströbeck für den
Personenverkehr auf der Eisenbahnlinie Halberstadt - Heudeber - Danstedt - Wernigerode - Vienenburg eröffnet.
Im Jahr 1907 beabsichtigte die Gemeinde Ströbeck den Bau einer Feldbahn auf
eigenem Gelände nach dem Bahnhof Ströbeck.
(Warum dann die Feldbahn doch nicht gebaut wurde, ist nicht bekannt.)
Im Jahr 1910, am 02. Juli, findet sich in den Unterlagen des Kreisarchivs ein
Hinweis auf die Landespolizeiliche Abnahme der Erweiterung des Haltepunktes
Ströbeck zu einem Bahnhof Ströbeck.
Am 30. Oktober 1910 fand ein Termin zur Auflassung der Grundbuchsache
der königlichen Eisenbahndirektion Magdeburg statt.
Aus Ströbeck wurden dazu eingeladen:
Der Gärtner Friedrich Hampicke, die Witwe E. Heyer, Nachkömmlinge des
Rentners Udo Valentin Haacke in Ströbeck, Gutsbesitzer Alwin Kahmann
und der Landwirt Friedrich Schönefuß.
Zu den Anlagen des Bahnhofs gehörten bis zum Jahr 1975 neben dem
Fahrdienstleiterstellwerk auch die beiden Schrankenposten
Nr.5 (Eselstieg) und Nr.8 (Mahndorfer Straße).
Beide Schrankenposten wurden bis zur Installation einer Halbschrankenanlage
bzw. Haltlichtanlage besetzt.
Weiterführende Hinweise zur Geschichte des Bahnhofes Ströbeck
sind dem Beitrag von Martin Zimmermann, ehem. Leiter des Bahnhofes Ströbeck
in dem Buch "1000 Jahre Schachdorf Ströbeck" zu entnehmen. |
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Aus
der Geschichte der Ströbecker Kirche
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Bereits das erste, in Ströbeck erbaute Gotteshaus, wurde dem Heiligen
St.Pankratius gewidmet. Nach der Legende wurde Pankratius um 290 geboren
und christlich erzogen. Während der Christenverfolgung unter Kaiser Diokletian
ließ sich der vierzehnjährige jedoch nicht von seinem Glauben abbringen, so
daß er am
12. Mai 304 öffentlich enthauptet wurde.
Allgemein erhalten hat sich sein Name als einer der "Eisheiligen"
Mamertus, Pankratius, Servatius, Bonifacius (11.-14.05), nach denen stärkere
Fröste nicht mehr auftreten sollen.
Der erste nachweisliche Kirchenbau läßt sich in Ströbeck etwa in das 12.Jahrhundert
datieren. Wohl infolge steigender Einwohnerzahlen erweiterte man die Kirche
etwa im 15./16. Jahrhundert.
Die Notwendigkeit eines Neubaues der Kirche ergab sich aus folgenschweren
Ereignissen:
Im Jahre 1832 "Tat es einen Blitz, daß es über das ganze Dorf hell aufleuchtete."
Er traf den Kirchturm, beschädigte ihn erheblich, ruinierte die Orgel
und riß im angrenzenden Kirchenschiff eine Säule um, zündete aber
glücklicherweise nicht.
Um so schlimmer kam dann das Unglück im Jahre 1876!
"Am 29ten Juni 1876 entlud sich ein schweres Gewitter über Ströbeck.
Gegen 3 Uhr Nachmittags schlug der Blitz in den Kirchturm. Der Blitz fuhr am
Turm herunter und zündete in der Vorhalle die zu der Zeit dort aufbewahrten
Totenkränze (oder:Totenkronen), an. Am Nachmittag brannten innerhalb
weniger Stunden Turm und Kirche gänzlich aus. Es brannte alles. Die 3
Glocken waren heruntergefallen. Orgel und Turmuhr wurden beim Brand zerstört."
Der Neubau der Kirche ging zügig vonstatten;...die Gemeinde leistet dazu
Hand- und Spanndienste. Der Turm ist geblieben, jedoch das Mauerwerk
bedeutend erhöht, die Kirche auf beiden Seiten hinausgeschoben und ein wenig
nach Osten verlängert. Schon am 25. Mai 1877 wurde der Grundstein
geweiht, er liegt über der Erde auf der Sockelmauer des kleinen Süd-
westgiebels und enthält die Dokumente..
Turmknopf und Fahne wurden am 16. Dezember 1877, einem Sonntag
aufgesetzt.
Zu diesem Zeitpunkt waren 850 Meter Steine vom Huy sowie Steinmetzsteine
von Blankenburg aus Muschelkalk und Sandstein geholt worden.
Die Ströbecker leisteten dazu etwa 700 Fuhren. Das Bauholz bezog man
aus Böhmen, den Dachschiefer teils aus dem Harz, teils sogar aus
England.
Am 30. Oktober 1878 feierte die Gemeinde die Einweihung ihrer
neuen Kirche. Die Baukosten beliefen sich auf 54 000 Mark für das
Kirchenschiff und 18 000 Mark für den Turm.
Im Jahre 1956 erfolgten Reparatur und Neueindeckung des Kirchturmes
Schmiedemeister Karl Hesse öffnete den Turmknopf; den Inhalt sichteten
und fotografierten Mitarbeiter des Museums aus Halberstadt.

Anläßlich umfangreicher Reparaturen 1993/1994 wurde der Turmknopf
restauriert und neu vergoldet. Die Fahne wurde gänzlich erneuert.
Das Aufsetzen erfolgte am
9. Februar 1994. Der Knopf
erhält nun in drei Kapseln die Aufzeichnungen der Jahre 1801,
1877, 1956 und 1994.
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Die
Flur- und Wegenamen der Gemeinde Ströbeck
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Große Bedeutung für die Besiedelung des Ströbecker Raumes hatte der Wasserlauf
das "Ströbecker Fließ", sowie die vorhandenen Quellen, die "Springe", die eine günstige Lage für
Besiedelungen boten.
Dadurch wohnten die Siedler nicht eng zusammen, aber trotzdem so nahe, daß sie sich bei
drohenden Gefahren oder Feuer gegenseitig helfen konnten.
Seit der Entstehungszeit ist der Flußlauf bestimmt durch das nach Westen hin leicht
ansteigende Gelände bis zu der Wasserscheide, die vor den Orten Danstedt - Zilly und der
Heiketalswarte liegt.
Die Flurnamen , in denen sich bis in die heutige Zeit Traditionen und Erfahrungen der
Vorfahren widerspiegeln, entstanden häufig nach der Form, Bodenart, Beschaffenheit des
Ackerstückes und nach Sitten und Gebräuchen, die mit dem Flurteil in Verbindung standen.
Im Osten erheben sich die "Ströbecker Berge"
1. Osterberg
Der Name Osterberg weist nach Carl Elis* auf eine heidnische Opferstätte hin, was durch zahlreiche
Funde von Urnenscherben und Fragmenten von Opfermessern bewiesen ist. Die alten Germanen
verehrten die Göttin Ostera als die Schöpferin des Wiederauflebens der Natur und zwar
um dieselbe Zeit, in der die Christen Ostern feiern.
"Es war eine Frühlingsfeier, und die Namen Osterwälder, Osterberge, die abergläubischen
Gebräuche der Osterfeuer, des Osterwassers, der Ostereier usw. hingen mit dem
Cultus
der ihr vor Einführung des Christenthums gewidmet war, zusammen." (Carl Elis)
2. Butterberg
Der hufeisenförmige Bergrücken des Osterberges wird durch den Butterberg abgeschlossen
abgeleitet von "butten = hinten, draußen"; d.h. der Berg, der abseits, hinter dem Osterberge liegt.
3. Nelkenberg
4. Kreuzberg
5. Schiefer Berg
Der schiefe Berg erhebt sich nördlich an dem Weg nach Aspenstedt. Oberhalb bildet er das
leicht ansteigende Gelände zum Huy. Wegen dieser Eigenschaft wird er auch "die halbe Höhe"
genannt. Ihr fehlt auf der anderen Seite der Abhang, deshalb "Schiefer Berg".
Im Südwesten erhebt sich das Gelände zur "Dardesheimer Höhe", fällt dann steil
ab zur "Wasserflut".
"Wenn früher im Westen ein schweres Gewitter aufzog, werden unsere Vorfahren zum Gott
Donar gebetet haben, damit er das Unglück verhüte. Vielleicht ist der noch heute
von hundertjährigen Eichen überschattete Friedensberg eine Kultstätte gewesen; denn von ihm
geht der Kapellenweg geradlinig zur"Waterflaut". In der christlichen Zeit des Mittelalters
stand am Ende des Weges, unweit des Friedensberges eine Kapelle."*
Im Westen am Ende des zur Ströbecker Flur gehörenden Zillyer Weges wird das
Flurstück "Am Taternpahl" genannt.
Hier soll einst ein Gedenkpfahl gestanden haben, der an die Tatern (=Tataren)
erinnerte, die hier plündernd durchzogen. Vielleicht waren es Teile des
Ungarnheeres, die nach der Schlacht an der Unstrut 933 nördlich vom Huy bei Ohrsleben
und Hötensleben auf dem dortigen Hunnenberge vernichtet wurden."*
Eine andere Erklärung für die Namensherkunft ist, daß die "Tatern" - die Zigeuner
ihr Lager unweit der Stelle, die heute Taternpfahl heißt, aufgeschlagen haben.
Die Zigeuner durften nur außerhalb des Ortes lagern. Ein Pfahl in der Erde deutete
ihnen die Stelle an, wo sie ihr Lager aufschlagen und ihre Pferde anbinden durften.
Bis ungefähr 1890 war am Danstedter Wege ein Sandsteinbruch, der die Steine zum Hausbau
lieferte. Das umliegende Land hat von ihm den Namen "Steinkuhlenfeld"
erhalten.
An der Grenze nach Danstedt liegt das "Wieschebleek" hier: im Waschfleck
eine feuchte Niederung.
Mit dem "Westenfeld" am "Stumpfeturm" , ist dei Bahnlinie erreicht. Hier
war früher ein alter Wartturm. Von hier aus wurden früher, zu Zeiten der Raubritter
Rauchzeichen gegeben, damit sich die Bauern beim Herannahen des Feindes
hinter die schützenden Mauern von Halberstadt in Sicherheit bringen konnten.
Die Arbeiten an der Bahnlinie wurden von französischen Kriegsgefangenen 1870 begonnen.
1872 wurde die Eisenbahnlinie Halberstadt - Vienenburg in Betrieb genommen.
An den Bau der Bahnstrecke erinnern heute noch die Flurbezeichnungen:
"An der Ausschachtung", "Vor" und "Hinter der Bahne", hier: "Hinterm Graben"
In der Ausschachtung und am Bahndamm wurden Weiden angepflanzt.
Dort, "bi'n Flotten" (Korbweiden) holten die Leute aus dem Dorf die biegsamen
dünnen Weidenstöcke zur Korbflechterei. Die Bezeichnung "Mühlenfeld" und "Mühlenweg"
in Richtung Mahndorf weist auf den ehemaligen Standort der Wichhäuser Mühle hin.
Durch das Dorf hindurch bis zur Bahnbrücke führt der Bach den Namen "Ströbecker Fließ".
Weiter südlich heißt er "Sechsbrunnen".Aus sechs Quellen soll er dort Zufluß erhalten haben.
"Von hier aus führte im Mittelalter eine hölzerne Wasserleitung bis zum Domplatz
nach Halberstadt.
Als der Lauf des Baches begradigt wurde, fand man noch die eichenen Holzröhren, die man ostwärts
weiter verfolgen konnte. Auch heute noch soll der Unterlauf des Ströbecker Fließes
unterirdisch mit dem Halberstädter Wasser in Verbindung stehen."*
In Richtung Norden nach Aspenstedt hin befindet sich der "Itschenpfuhl".
"Im Mittelalter ist ein Sumpf gewesen, der die südwärts im heutigen Bocksberg
gelegene Zufluchtstätte von Norden her unangreifbar machte. In diese kleine Zuflucht
zogen sich die Ströbecker zurück, wenn der Regensteiner oder der Wernigeröder
Raubgraf in der Gegend raubten und brandschatzten.
Rund herum war die Burg durch zwei hohe Wälle gesichert.
Die Wächter haben sich wohl auf ihren nächtlichen Posten über das Gequake der
Frösche ("Ütschen") geärgert und den Wachplatz deshalb "Am Ütschenpfuhl" genannt."*
Im Nordosten schließt sich das Flurstück "In der Sülze" an.
Dicht daneben liegt der "Sültebarch" ( der Sülzeberg).
In der "Sülte" war einst eine Quelle, die salzhaltiges Wasser gab.
Auf dem kleinen Sülzeberg wurde durch Verdampfen des Wassers das lebensnotwendige
Salz gewonnen. Was nicht im Dorf verbraucht wurde, diente zum Eintausch von
Schmuck, Kriegs - oder Hausgerät.
In den Jahren 1517 - 1518 herrschte in Ströbeck die Pest und über die Hälfte aller
Einwohner starben an der Seuche. Da man die Toten nicht einzeln begraben konnte
wurden sie auf dem Schinderkarren aus dem Dorf hinausgefahren und hinter dem heutigen
Friedensberg in Massengräbern beigesetzt. Dort errichtete man zum Gedenken der Toten eine
Kapelle. Der Weg dorthin heißt heute noch "Kapellen-weg".
Auf Plattdeutsch "Kapellenwesemannsweg" (Kapelle der verwesten Gebeine).
Die überlebenden Einwohner der verseuchten Häuser verließen das Dorf
und bauten hinter dem Windmühlenberg in der "Sülze" das "Niendörp" auf.;
am "Hohen Wege" gelegen, der über die "Hohe Mark" nach Halberstadt führt.
(s.a. Geschichtliche Karte des Landkreises Halberstadt)
100 Jahre später brach der "Dreißigjährige Krieg" aus und die Ströbecker
erlebten die schrecklichsten Zeiten, die es je gegeben hatte.
Fremde Kriegshorden brandschatzten und plünderten, Seuchen brachen
aus. Zu alledem kam die Wolfsplage. In Rudeln kamen sie aus den nahen Wäldern
und rissen ganze Schafherden. In dieser Zeit wurden auch die "Niendörper"
wieder heimatlos, das Dorf wurde von den Kriegshorden dem Erdboden
gleichgemacht." (aus der Ströbecker Chronik)
*Auszüge aus: Friedrich Reinecke, Flur - und Wegenamen
der Gemeinde Ströbeck, 1942
*Siehe:Carl Elis, Lehrer an der höheren Töchterschule Halberstadt
"Kurzgefaßte historische Nachrichten von Ströbeck"
Halberstadt 1843
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Die Annahme
der Gemeindeleute im 17. Jahrhundert
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Wie es früher in allen Orten unserer Heimat üblich war, wurden auch in Ströbeck die Gemeindeleute: Bäcker, Schmied, Krüger, Hirten zum Ende des alten b.z.w. zum Anfang des neuen Jahres jedesmal neu angenommen, selbst wenn sie schon im Vorjahre ihre Stellung innehatten.
Jeder dieser Gemeindeleute musste einen Bürgen stellen, der dafür haftete, dass der Angenommene seine Bedingungen erfüllte.
Vielfach begegnet uns dieser Bürge unter dem Namen "Anwerbsmann".
Mit dieser Annahme , zu der die gesamten männlichen Mitglieder der Gemeinde erschienen, war ein Mahl verbunden, zu dessen Kosten die Angenommenen einen Beitrag zu leisten hatten.
Außerdem wurden die von den Vorstehern der Gemeinde über einzelne verhängten Strafen verzehrt.
Durch Zufall fand man ein altes vergilbtes Buch, dessen Einband der Rest einer Pergamenthandschrift ist.
Auf der ersten Seite findet sich nachstehende Eintragung:
,,Anno 1666 hat der Bürgermeister Heinrich Gerecken Senior den 20sten Aprillis den Nachkommen zum Besten dieses Register einbinden lassen, dessen Milherr Valentin Rieche junior:''
Hier sind uns die Annahmeprotokolle von 1667 bis 1766 überliefert.
Um nun ein Bild von den Bedingungen zu bekommen, welche die Angenommenen zu erfüllen hatten, seien die Protokolle für das erste Jahr hier einmal in Auszügen wiedergegeben:
,, den 27ten Decembris 1666 Jaspar Ühren alß den letzten Weynachtsfeyertag, auf dass künftige 1667 ste Jahr vor einem Becker in hiesiger Gemeinde Backhauß wieder angenommen, hat gelobet jährlich 21 fl.item vor 6 Ellen Parchen 1 Tlr. 12g.Gr., wil den Schornstein Wand im Backhause alle vier Wochen renouiren, und hat der Becker den Gottespfennig geben, davor ist Bürge Andreas Salomon.
Der Schmidt (Schmied) M.Hanß Trawernicht ist auf das 1667 ste Jahr wieder angenommen. und gibt jährlich aus der Schmiede Neungülden Item vor 6 Ellen Parchen 1 Tlr. 12große Gulden und bekommt vor ein gutt Hufeisen 2mgr.2 Pfennig.
Die andere Arbeit will er machen wie der Schmiedebrief lautet und hat den Gottespfennig geben, hiervor ist Bürge Ulrich Helmholz.
Item (ebenso) ist Urbahn Böermann vor einen Schweinehirten angenommen, will des abends um 9 Uhr auf die Wache und des Morgens um 2 Uhr wieder abgehen, muss die Schlagbäume zuschließen, davor bekombt er 2 Paar Schuh und bekombt vor ein Schwein jährlich zuhüeten - 2mgr.
Auch sein ihm vergönnet zwei Schweine und eine Kuh, und hat den Gottespfennig bekommen.
Ist Matthias Langestraßen vor einen Krüger auf das 1667 ste Jahr wieder angenommen, und hat Krugzins versprochen an Gelde 25 thlr, item zwei Collationen (Mahlzeiten?) zu tun, eine um Mittfasten oder davor gelde 7 tlr., die andere um Martini oder davor gelde 12tlr.
Er hat nun das Geld oder das Essen zu geben,
item zur Besserung des Kachelofens 2 tlr.
einen ledernen Eimer 1 tlr.
ein Fuder diehlen vor 4 tlr.
drei Faß Breyhahn (Bier)
zwei Zimmern Quartions (Quartier) kammern vor 1 tlr. 12 gr. sechs Ellen Parchen
vor 1 tlr. 12gr.
Noch ein Faß Breyhahn zum Wein kaufen wenn er angenommen wird.
Auch hat er versprochen und angelobet, den Breyhahn zu geben, wie er in
Halberstadt gilt, daffern derselbe steigert, soll ihm wieder zugelegt werden.
Hierfür sein Bürge Paul Brandes und Jakob Bartels und hat Gottespfennig geben.
Item ist Hanß Kalmeyer auf das 1667 ste Jahr für einen Kuhhirten wieder
angenommen, hat er versprochen sein Vieh gehen zu lassen, alwo der Gemeinde
Vieh gehet, auch sein ihm vergönnt drei Kühe hundert Schafe und vor dem
Knecht viertzig, vors düngen bekommt er vor jedem Morgen einen halben
Scheffel Roggen und einen halben Scheffel Gersten fortzuschlagen
2gr. 2 Pfennig vor jedes Rind ein vierfaß Roggen
vor jedes Schaf zu füttern 1 mgr.
vor eine Kuh jährlich 1 mgr.
Noch ist ihm vergönnet eine Morge zu düngen. Er muß aber den Acker von den
Leuten annehmen, und ist ihm der Gottespfennig geben, auch soll er nur eine
Nacht mit der Herde düngen und nicht zwei Nächte."
Mit diesem Protokoll ist ein Strafregister verbunden, das einzige seiner
Art. Es heißt darin:
Nachfolgende Personen haben Strafe geben, weil sie Ostern 1667 nicht auf den
Bawerting (Bauernting) gewesen, als
Berendt Schörell geben 5 mgr.
Berendt Kniestedt 5 mgr.
Hanß Kröckel 5 mgr.
Valentin Ühren 5 mgr.
Der Kuhhirte Hanß Kalmeyer hat mit dem Vieh seinen Acker gedünget, davor
Straffe geben müssen.
Berendt Kniestedt hat die Wiesen mitgedünget davor geben 12 g. Gr.
Ingleichen Christoff Hartung hat den Acker mehr gedünget, als ihme
gebühret, davor geben müssen 12 g. Gr.
Ulrich Helmholts Sohn hat mit den Eggen in den zween über besamte Stücke
gezogen, davor Ulrich Helmholtz zu Strafe geben 1tlr.
( aus der Ströbecker Gemeindechronik)
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Gemeindeschmiede in Ströbeck
| Hans Trawernicht |
1667 - 1674 |
| Matthias Hennings aus Badersleben |
1675 - 1676 |
| Moritz Wegener aus Halberstadt |
1677 - 1678 |
| Hans Wegener (Bruder d.o.g.) |
1679 - 1682 |
| Samuel Meyer |
1683 - 1692 |
| Curt Kärsten |
1693 - 1712 |
| Hans Michael Münchhoff |
1705, 1713 - 1716 |
| Hans Jürgen Sievert |
1717 - 1726 |
| Heinrich Münchhoff |
1727 - 1740, 1743 - 1752 |
| Philipp Heinrich Strohmeyer |
1741 - 1742 |
| Henning Claus |
1753 - 1763 |
| Matthias Müller |
1764 - 1766 |
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Ströbeck hat durchaus
auch eine "spannende" Ortsgeschichte:
Der
Mordfall bei den "Gerichten"
Aus: Dorfgeschichten -
Die Aufzeichnungen des Ackermanns Valentin Schliephake zu Ströbeck
geschrieben 1820 bis 1847
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"Die Gerichte"
sind auf dem Hohen Wege gewesen, wonach das Feld seinen Namen hat. In den
1790er Jahren sind die Pfähle erst umgefallen. Es waren dort zwei auf das Rad geflochten
die in Halberstadt auf dem Domplatz gerädert waren.
Dieses ist nach der Wahrheit gemäß auf folgende Art erzählt:
Zwei Reisende lassen sich auf Hessen-Damme von den Wirt jeder ein Pferd geben
um darauf zu Reiten . Der Wirt schickt seinen Hausknecht mit, auch zu Pferde
um die Pferde wieder zurück zu bringen.
Es geht schon gegen Abend, weil sie bei Aspenstedt vorbei passieren, sie kehren in dem
Wirtshause ein und Trinken. Nun setzen sich alle drei wieder zu Pferde und setzen ihre Reise
fort nach Halberstadt.
Es ist nun schon dunkler geworden und der Hausknecht hatte schon im Kruge ihnen geraten
da zu bleiben, vermutlich hat er schon für sich nichts Gutes geahndet. Sie reiten fort, und weil sie
Aspenstedt auf den Rücken haben und an den Sülteberg heran reiten, so machen sie Halt
um den Mord auszuführen. Der eine sagt zu dem Hausknecht , er möchte absteigen, um
ihn den Steigbügel anders zu schnallen.
Der Hausknecht tut es, steht an des Fremden Pferde, diesen Augenblick hatten sich die
Mörder gewählt, den Hausknecht den Kopf zu spalten. Sie ziehen ihre Hirschfänger und hauen
nun ganz unbarmherzig auf den Hausknecht los. Er nimmt die Flucht in Acker heraus
sie hauen immer tüchtig auf ihn los, er stürzt nieder, und nachdem sie ihm 27 Wunden
angebracht haben, stirbt er.
Die 3 Pferde gehören nun ihnen, sie reiten nun was sie können nach Sachsen hinein.
In Leipzig verkaufen sie die Pferde und gehn dann nach ihrer Heimat nach Meißen.
Ein Ströbecker namens Salomon
will seine Morgen Roggen besehen im Frühjahr und findet diesen
erschlagen Menschen.
Gerade diesen Morgen war die Gerichtsstätte , er zeigt es gleich
an und wird nach Ströbeck geholt, alwo er auf dem Rathause
"operirt" ist. Es wird nun alle mögliche Anstalt gemacht, die
Straßen - Räuber aufzusuchen, und in Meißen werden
sie arretiert und nach Halberstadt geführt, wo sie ein ganzes
Jahr gesessen.
Es waren Vater und Sohn, sie wollten die Tat nicht eingestehn, bis
sie das durch Daumenschrauben zum Bekenntnis gebracht wurden.
Der Sohn bekennt zuerst, weil der Vater das hört, will er den
Sohn noch zu Leibe gehen und hätte ihn gewürgt, wenn er
nur die Freiheit gehabt hätte. Der Wirt von Hessen - Damm muß
also nach Leipzig reisen, alwo die Mörder seine Pferde verkauft
haben, wieder abzuholen.
Es wird ihm aber schwer gemacht, seine Pferde zun finden , sie stehn
unter einer Menge Pferde im Stall. Hier muß er sie suchen
und erkennen, wenn er es verfehlt, so war die ganze Sache nicht
erwiesen. Aber er findet sie leicht und besteht diese Probe.
Dieses geschah im Jahre 1738. Es war in den angrenzenden Feldern
Winterfeld, wo der Mord geschehen war. Da sollen sie nun auch gerädert
werden, aber damit das Korn nicht zertreten werden sollte, so wurden
sie in Halberstadt auf dem Domplatz von unten auf gerädert
und sodann bei der Gerichtsstätte auf das Rad geflochten.
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Wie
die Ströbecker zu ihrem Spitznamen "Stumpeldubm´" kamen
Oder:" Der Glockenfund bei Wischhusen" von Dr. Luis Wille
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An einem schönen Frühlingsmorgen hütete der Schafhirt von Derenburg seine Schafe in der
Nähe des wüstgewordenen Klosters Wischhusen.
Auf seinen Schäferstecken gestützt, beobachtete er gerade den in seiner Nähe scharrenden
Widder, als ihm plötzlich aus dem aufgewühlten Erdboden ein Stück Metall entgegenleuchtete.
Schnell grub er nach und endeckte den Hals einer versunkenen Glocke.
Er meldete dies dem Bürgermeister von Derenburg, der seinerseits die Gemeindevorsteher von
Ströbeck und Danstedt benachrichtigte, da die Glocke gerade auf der Stelle gefunden war, wo
die Flurgrenzen dieser drei Ortschaften zusammenstießen.
Um keinen Streit aufkommen zu lassen, vereinbarten die Danstedter, Ströbecker und
Derenburger, daß am folgenden Morgen aus jeder der drei Gemeinden ein Wagen zum Fundort
fahren und die Glocke abholen sollte.
Die Abfahrt wurde auf 6 Uhr festgesetzt, und die Glocke sollte der zuerst eintreffenden
Gemeinde zugesprochen werden.
Die Derenburger hielten sich nicht an die Verabredung und fuhren bereits eine halbe Stunde
um nicht von weitem gehört zu werden , wickelten sie Stroh um die Wagenräder.
Die Ströbecker hatten Pech.
Unterwegs sprang ihnen ein Rad von der Wagenachse, und es blieb ihnen nichts anderes übrig,
als das Rad schnell wieder über die Achse zu schieben, und da sie den Vorsteckbolzen
verloren hatten, mußten sie der Reihe nach ihren Daumen in das Achsenloch stecken und so lange
aushalten, bis das unterste Glied des Daumens abfiel. Nur so konnten sie den Fundort
erreichen.
Auch den Danstedtern war das Glück nicht hold.
Da sie unbedingt die ersten sein wollten, legten sie ein unheimliches Tempo vor.
Dabei kam der Wagen ins Schleudern, streifte einen Baum und stürzte in den Graben.
Die Weinkrüge, die sie siegesgewiß auf ihrem Wagen mitführten, gingen in Scherben.
Um aber noch etwas von dem kostbaren Naß zu retten, setzten sie die Scherben schnell an den Mund
und schlürften sie aus.
Auf diese Weise kamen die Danstedter und Ströbecker zu spät, und die listigen Derenburger
erhielten die Glocke.
Seit dem heißen sie im Volksmund "Strohköppe",
während die STRÖBECKER "Stumpeldubn" und die Danstedter
"Schöppelsüper" genannt werden.
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